Stundenastrologie

Wer ist wer im Stundenhoroskop? Signifikatoren einfach erklärt

Die meisten Fehler passieren nicht beim Deuten, sondern schon bei der Frage, wer wer ist.

Die meisten Fehler passieren nicht beim Deuten, sondern schon bei der Frage, wer wer ist. Genau das ist mir damals passiert.

Mein Fehler: Wer ist hier der Dieb?

Bei der Frage ging es um die jüngste Tochter der Fragestellerin. Sie fand ihr Geld nicht mehr, das sie angeblich im Schlafzimmer in ihrer Kommode aufbewahrt hatte. Da die jüngste Tochter vorher einige Tage zu Besuch war und in diesem Raum schlief, glaubte sie, dass sie es war.

Stundenhoroskop zur Frage „Hat meine Tochter mein Geld gestohlen?“ mit Aszendent Jungfrau und Saturn im 7. Haus
Stundenhoroskop zur Frage: „Hat meine Tochter mein Geld gestohlen?“ (Astroplus / Astrocontact Software, Linz)

Ich ging also beim Deuten wie gewohnt vor. 1. Haus, meine Fragestellerin: Jungfrau, also Merkur. Die Tochter, ganz klar das 5. Haus, also Steinbock mit Saturn. Ok. So weit, so gut. Ihr Geld symbolisiert das 2. Haus. Das ist die Venus. Jetzt fehlte mir noch der Signifikator für den Dieb. Das ist doch ganz klar, das muss der Herrscher des 7. Hauses sein, also Jupiter.

Ok. Wir haben alle Signifikatoren. Jetzt können wir loslegen. Und genau hier, beim Signifikator für das 7. Haus, habe ich falsch gelegen und nicht aufgepasst. Denn die Frage war nach der Tochter und dem Geld und nicht nach einem Dieb, den sie nicht kennt. Das wäre dann tatsächlich das 7. Haus. Deswegen ist es so wichtig, die Frage genau zu verstehen und genau zuzuordnen.

Hier konzentrieren wir uns also nur auf die Tochter und das Geld. Und Saturn steht zwar im 7. Haus, aber das macht ihn nicht zum Dieb. Er bleibt der Herrscher des 5. Hauses, also die Tochter. Warum? Weil die Frage lautete: „Hat meine Tochter mein Geld gestohlen?“ und nicht: „Hat eine unbekannte Person das getan?“

Wir benötigen einen Aspekt zwischen Venus und Saturn (zwischen Geld und Tochter). Den gibt es nicht. Also hat die Tochter damit nichts zu tun. Und so war es am Ende auch. Die Fragestellerin hat das Geld ein paar Tage später wiedergefunden.

Wenn man die Venus im 5. Haus stehen sieht, dem Haus der Tochter, könnte man meinen: Aha, da ist es also. Dem ist nicht so, denn es muss ein Aspekt zwischen der Tochter (Saturn) und dem Geld (Venus) bestehen. Der Aspekt entscheidet über Ja oder Nein. Kein Aspekt, also nein, das Geld ist nicht bei ihr. Daran ändert auch nichts, dass die Venus im Wassermann steht, einem Zeichen des Saturn. Die Venus im 5. Haus beschreibt lediglich, dass die Tochter mit dem Thema zu tun hat. Schließlich hat die Mutter sie darauf angesprochen, und das ist schon heftig, wenn man beschuldigt wird.

Was ist ein Signifikator?

Ein Planet, der für eine Person oder Sache steht. Es ist der Herrscher des Zeichens an der Hausspitze, und nur die sieben klassischen Planeten kommen infrage. Wie in unserem Beispiel zur Diebstahlsfrage wird jede Person oder Sache einem Haus zugeordnet. Der Herrscher dieses Hauses ist der sogenannte Signifikator. Wir legen damit fest, womit wir „arbeiten“. Wir schauen nur nach diesen Signifikatoren. Alle anderen Planeten interessieren uns zunächst überhaupt nicht.

Schritt 1: Du bist immer das 1. Haus

Du bist als Fragesteller/in immer das 1. Haus. Jedes Zeichen hat einen festen Herrscher. Der Herrscher des Zeichens an der Spitze des 1. Hauses zeigt dich. In unserem Beispiel war das die Jungfrau, also Merkur.

Der Mond ist IMMER, soweit er nicht „besetzt“ ist, dein Mitsignifikator. Besetzt heißt: Steht Krebs an der Spitze des Hauses, nach dem gefragt wird, gehört der Mond bereits der anderen Seite und kann nicht zugleich dich anzeigen. Er beschreibt die Situation, deine Emotionen und wie die Angelegenheit sich entwickelt oder auch nicht entwickelt.

Schritt 2: Die Frage bestimmt das Haus

Da es um die eigene Tochter geht, benötigen wir das Haus für die Kinder. Die Spitze des 5. Hauses fällt in das Zeichen Steinbock, und der Herrscher vom Steinbock ist Saturn. Das ist unser 2. Signifikator. Für das Geld steht das 2. Haus mit Venus. Und für den Verlauf der Angelegenheit schauen wir auf den Mond.

Hier eine kleine Auswahl, welche Frage in welches Haus gehört:

HausWofür es steht
1. HausDu selbst, der Fragesteller
2. HausGeld, Besitz, bewegliche Dinge
3. HausGeschwister, Nachrichten, kurze Reisen
4. HausHaus, Wohnung, Immobilie
5. HausKinder
7. HausPartner, Gegner, jede „andere Person“
10. HausBeruf, Chef
11. HausFreunde

Damit die Zuordnung klappt, muss die Frage klar gestellt sein. Wie das geht, erkläre ich hier: Wie du deine Frage richtig stellst.

Schritt 3: Der Herrscher zeigt die Person oder Sache

Ein Hund zum Beispiel ist keine Person. Er gehört ins 6. Haus, denn das 6. Haus steht für kleine Tiere. Dabei zählt die Gattung, nicht die Größe: Auch die Dogge gehört ins 6. Haus. Ein Pferd gehört in das 12. Haus, auch das Shetlandpony. Steht an der Spitze des 6. Hauses zum Beispiel das Zeichen Fische, ist Jupiter der Herrscher. Der Hund ist entlaufen. Wir schauen, was mit dem Herrscher los ist. Wie ist er im Horoskop mit den anderen Signifikatoren konfiguriert und was passiert sonst noch? Wir leiten daraus die Antwort ab. Keine Intuition, kein Raten. Regeln befolgen. Antwort raus, fertig.

Irren ist menschlich, wie oben passiert. Es lässt sich aber auch im Nachhinein genau deuten, worin der Fehler lag.

Welche Rolle spielt der Mond?

Der Mond spielt in jeder Frage, die gestellt wird, eine bedeutende Rolle. Er sagt aus, wie es dem Fragesteller geht, wie sich die Situation darstellt und wie die Angelegenheit ausgeht. Warum gerade der Mond? Weil der Mond das schnellste Gestirn ist. Er zeigt durch sein Tempo die Entwicklung einer Sache, die Veränderung während eines Prozesses und auch eventuell das Scheitern eines Vorhabens.

Mehr dazu in Band 2 meiner Reihe zur Stundenastrologie, der gerade entsteht. Wo der Mond gerade steht, zeigt dir mein Mondstand-Rechner.

Wo es knifflig wird

Es gibt Fälle, in denen es um eine dritte Person geht. Zum Beispiel: „Wie geht es dem Kind meiner Schwester?“ In diesem Fall muss man tatsächlich das Horoskop drehen, denn man fragt nicht nach seinem eigenen Kind, sondern nach dem meiner Schwester.

Das 3. Haus ist meine Schwester. Von ihr brauchen wir jetzt das Kind, also ihr 5. Haus. Wir zählen: Das 3. Haus ist ihr Aszendent (wir sagen im Geiste 1). Das 4. Haus ist ihr 2. Haus, das 5. Haus ihr 3. Haus, das 6. Haus ihr 4. Haus und das 7. Haus ihr 5. Haus. Das 7. Haus ist also das Kind meiner Schwester. Jetzt schauen wir nach dem Zeichen an der Spitze und haben somit den Herrscher. Wo steht dieser im Horoskop, und wie geht es ihm?

Sind es zwei Personen im selben Haus, zum Beispiel zwei Geschwister, hilft ebenfalls das Ableiten weiter. Wie das bei Geschwistern und Kindern genau geht, erkläre ich in Band 1.

Und eine Regel gilt dabei immer: Ein Planet vertritt eine Partei, nicht zwei.

Das Wichtigste in Kürze

Du bist das 1. Haus. Die Frage bestimmt das Haus der anderen Person oder Sache. Der Herrscher des Zeichens an der Hausspitze ist der Signifikator. Und der Mond begleitet dich als Mitsignifikator.

Wer hier sauber zuordnet, hat die halbe Deutung schon geschafft.

Du willst die Zuordnung sicher beherrschen, auch in den kniffligen Fällen? In „Signifikatoren in der Stundenastrologie, Band 1“ gehe ich alles Schritt für Schritt durch.

Zu Band 1
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